Warum Literaturliebhaber Gummistiefel tragen

Literaturliebhabern auf die Füße geschaut in Hay-on-Wye

Literaturliebhabern auf die Füße geschaut in Hay-on-Wye

Es ist ein Vorurteil, dass alle Schriftsteller und alle Literaturliebhaber so durchgeistigt sind, dass sie sich um ihr Äußeres nicht scheren. Es ist kein Vorurteil, dass in Großbritannien für begeisterte Leser gleich welchen Geschlechts Gummistiefel ein „must have“ sind – jedenfalls, wenn sie Ende Mai an die Grenze von England und Wales fahren. Dort liegt das malerische, kleine, walisische Dorf Hay-on-Wye.

Hay hat sich nicht ergeben.

Es trotz der Invasion von modernen Zerstreuungen aller Art und setzt auf das Buch. Es strotzt vor antiquarischen Buchläden. Es hat einen selbsternannten – wir sind im Land der Exzentriker – „King of Hay“, der den Erfolg des Bücherortes Hay einst begründet hat. Und es beherbergt seit 1988 alljährlich ein 10-tägiges, brillantes Literaturfestival.

2013 hat man 230.000 Tickets verkauft für die Veranstaltungen des Festivals. Das walisische Dorf hat 1.800 Einwohner. Wie geht das zusammen? Kein Problem. Das Festival findet am Rande von Hay statt, in einer stabilen Zeltstadt, die dafür errichtet wird. Alles mit modernster Technik, zahllose Bühnen, ein Buchladen, eine Presseabteilung, ein paar Läden, gute Cafés, gutes Essen. Überdachte Gänge gibt es auch. Aber dazwischen: schöne, grüne Wiesen. Der Eingang: ein Sandweg. Die Parkplätze: auf dem Feld. Sagten wir schon, zu welcher Jahreszeit die Literaten nach Hay strömen? Im englischen Frühling. Der ist schön, die ersten Rosen blühen, die walisische Landschaft hat sich entfaltet. Aber er kann auch ganz schön nass sein.

Der kluge, erfahrene Besucher von Hay taucht deswegen mit Gummistiefeln in das Festivalleben ein. Egal ob er oder sie oben Sakko oder Strickpulli trägt, Sweater oder Kleid: unten sind es Gummistiefel. Oder, das geht notfalls: möglichst hohe Wanderstiefel. Literatur und festes Schuhwerk, das passt hier gut.

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