Schreiben Sie noch oder publizieren Sie schon? Ein Nachklang zur Buchmesse

Foto: F. Vondort

Foto: F. Vondort

Die Nichtfachbesucher gehen zur Buchmesse, weil sie Geschichten und Bücher lieben. Oder weil sie sich gerne verkleiden wie die Cosplayer – gefühlte 99 Prozent der Besucher unter 30. Meist zu zweit und sich an den Händen haltend spazieren sie in ihren Kostümen zwischen den Büchern umher und erzählen im Vorbeigehen eine Geschichte.

Die Fachbesucher kommen auf die Messe, um die besten Geschichten zu finden und gute Geschäfte zu machen. Wie geht das, im eZeitalter? Das Digitale erschreckt die Verlage. Sie halten Papier in den Händen und denken: Es soll bleiben. Es ist so schön.

Doch es geht um viel mehr als um nostalgische Anwandlungen rund um Druckerschwärze. Das eBook braucht kein teures Papier, keine teuren Druckmaschinen. Beim eBook kostet die Produktion von 100.000 Exemplaren grob gesprochen so viel wie die von einem Exemplar. Gröber gesprochen: Sie kostet nichts.

Noch gröber gesprochen: Wer braucht sie jetzt noch, die Verleger, die bekanntlich Geld vorlegen für die teure Produktion von Büchern? Doch so einfach wollen die Verlage die Autoren nicht entkommen lassen. Sie haben sich einiges an Angeboten überlegt für Selbstverleger, „formerly known as the author“, die plötzlich lauter Dinge tun können, von denen sie kürzlich noch gar nicht wussten, dass es sie gibt.

Anders betrachtet: Der leidende, abgewiesene Autor kann sich freuen: Man will etwas von ihm! Vielleicht nicht seinen Text. Aber sein Geld. Und, wenn es richtig gut ist, am Ende bisweilen dann doch sein Manuskript.

All das klingt jetzt härter, als es ist. Ein neues Stück wird geschrieben, und für jedes Rollenfach bietet es Chancen. Der Charme des Publizierens breitet sich aus. Die Autoren spielen Verleger – Verleger spielen schließlich schon lange genug auch Autoren. Die Zuschussverlage suchen sich letzte Opfer. Alle Grenzen begrünen sich. Die Seiten werden neu gemischt. Buchstaben tanzen noch immer durch die Hallen, aber ihre Dirigenten spielen jetzt auch Produzenten. Und sind die Cosplayer nicht schon lange ihre eigenen Verleger?

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.