Zwischenzeit

Wie nutzt ihr die Zeit zwischen den Jahren? Lehnt ihr euch zurück in die Erlebnisse, die 2013 geboten hat, lasst euch abfedern, warm und weich, dreht euch dann genüsslich zu ihnen um und schmeckt die besten nach? Oder putzt ihr die aus den Ecken, nach denen ihr nicht gefragt hattet, die dessen ungeachtet besonders hartnäckig versuchen sich einzunisten, euch einzustauben, klebrig, haftend?
War das Jahr gut, ist vielleicht eure größte Sorge die, dass sich etwas ändert. Das ist so verständlich wie chancenlos. Das wisst ihr. Denn immer ändert sich etwas. Der Adventskranz hat es gezeigt. Frisch dunkelgrün gekauft. Mittelgrün leuchteten zwei seiner Kerzen. Fastgelb strahlte er am heiligen Abend, vier Flammen verdeckten seine Vergänglichkeit. Auf dem Weg in den Müll ließ er sich vollkommen gehen, jeder Nachbar konnte sehen, dass seine Nadelzeit vorüber war.

Oder sind Änderungen ganz grundsätzlich das, was euch am meisten Angst macht? Weil sie immer die dunkle Tür bedeuten, die sich öffnet, langsam, knarrend, wie in den Filmen, die man nur sehen mag, wenn eine beruhigende Hand die eigene umschließt. Wenn die Tür aufgeht, drückt einen von hinten etwas, und von vorne zieht einen etwas, und etwas hat die Kontrolle übernommen, die ihr lieber selber hättet. Dann kommt die Schwelle, ihr wollte nicht stolpern, aber sie ist immer da, wo ihr sie nicht vermutet hättet, und dann – schließt sich die Tür hinter euch.

Oder war das Jahr schlecht? Dann wollt ihr von all dem, was war, gar nichts mehr wissen, denn vorbei ist hoffentlich vorbei. Es soll etwas Neues kommen, am besten sofort, spätestens ab dem ersten Januar, wenn die 201 eine spitze 4 trägt und damit schon auf den ersten Blick die Chance bietet, anders zu sein.
Aber, kann ein Jahr schlecht sein? Gut sein? In der Zwischenzeit verblassen Farben wie auch klare Urteile schneller, als man schauen kann. Noch ein paar Stunden, dann ist die Zwischenzeit wieder vorbei. Wie habt ihr sie genutzt?

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